Don Quijote mitten in Rheinsberg: Die Kammeroper lädt zu einem besonderen Opernabenteuer ein.
Kann das denn wahr sein? Don Quijote höchstpersönlich in Rheinsberg? Schon Prinz Heinrich beschäftigte sich in Rheinsberg mit Cervantes‘ „Don Quijote“ und besaß gleich mehrere Ausgaben des Romans – eine historische Verbindung, die den Blick zurück in die Geschichte lenkt und zugleich auf Fragen, die heute wieder erstaunlich aktuell sind.
Eine unserer Spuren führt dabei zu einem bis heute verschollenen Werk – und zu Heinrich von Kleist, dessen Geburtstag sich 2027 zum 250. Mal jährt. Ein Jubiläum, welches Anlass gibt, sich dieser rätselhaften Verbindung auf ganz eigene Weise anzunähern. In einem Brief aus dem Jahr 1809 erwähnt Kleist einen eigenen „Don Quijote“. Das Manuskript ist nicht enthalten. Was wissen wir darüber – und wo beginnt unsere Interpretation? Wie dieses Werk ausgesehen haben könnte, ist daher eine Frage, der sich die Kleist-Expertin Francesca Rubén in ihrer Bearbeitung für die Rheinsberger Inszenierung widmet.
Je tiefer wir den Spuren folgen, desto mehr gibt Rheinsberg von seiner eigenen Geschichte preis – bis dorthin, wo seine Theatergeschichte ihren Anfang nahm: im historischen Heckentheater. Hier wird Kleists verschollener „Don Quijote“ zum Ausgangspunkt für ein spielerisches, surreales Vorspiel, welches erste Einblicke in die Gedankenwelt der berühmten Romanfigur eröffnet. Wir begegnen einem Mann, für den die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Vorstellung verschwimmen, der Riesen sieht, wo Windmühlen stehen. Doch was geschieht, wenn ausgerechnet Don Quijote mit seiner grenzenlosen Vorstellungskraft selbst zum Zuschauer eines Spiels im Spiel wird? Dieser Frage folgend, führt das Opernabenteuer am See entlang aus dem Heckentheater hinaus zum Schlosstheater. Dort begegnet Don Quijote in Manuel de Fallas „Meister Pedros Puppenspiel“ eigens für die Inszenierung geschaffenen Puppen, die von Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin zum Leben erweckt werden, und beobachtet ein Schauspiel, das seine Wahrnehmung auf die Probe stellt.
Doch wo endet das Spiel, wenn die Täuschung zur vermeintlichen Wahrheit wird – und wie weit vermag sie unser Handeln zu bestimmen? Diesen Fragen widmet sich ein vielseitiges künstlerisches Team. Erstmals steht das Orchester dabei unter der Leitung von Maria Keller. Für die junge Dirigentin ist es zugleich eine Rückkehr nach Rheinsberg: Bereits 2021 war sie als musikalische Assistentin an Georg Quanders Inszenierung von „Fidelio“ beteiligt. Nun kehrt sie in neuer Funktion an den Ort zurück, an dem sie bereits künstlerische Erfahrungen sammeln konnte. Auch für die szenische Umsetzung konnte mit Emilie Lauwers eine Künstlerin gewonnen werden, die eine besondere Verbindung zu Don Quijote mitbringt. Sie verantwortet Regie, Bühne, Kostüme und Puppen. Cervantes’ Roman beschäftigt sie schon seit ihrer Jugend: Bereits mit 18 Jahren las sie das umfangreiche Werk vollständig. Nun bringt sie ihre langjährige Begeisterung für die Figur in die Rheinsberger Inszenierung ein.
Wenn auch Don Quijotes Welt fantasievoll sein mag, die Fragen, die sie aufwirft, sind erstaunlich gegenwärtig. Mit Künstlicher Intelligenz, Deepfakes und Falschmeldungen hat die Täuschung heute eine neue Dimension erreicht. Wo es einst eines ganzen Puppenspiels bedurfte, um Wirklichkeit und Vorstellung verschwimmen zu lassen, genügt heute mitunter ein einziges täuschend echtes, KI-generiertes Video.
So schlägt die Osterproduktion zugleich einen Bogen in unsere Gegenwart und gibt einen Vorgeschmack auf den Festivalsommer 2027, der die Grenzen zwischen Wahrheit, Täuschung und Wirklichkeit erkundet.
„WIE WAHR“ begegnet dieser Unsicherheit dabei spielerisch und lädt mit Musik, Theater und Neugier dazu ein, gemeinsam zu entdecken, zu hinterfragen und aufzudecken – bevor die Grenze zwischen Täuschung und Wirklichkeit für uns verschwimmt.
Einführung
Jeweils 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn geben Jelle Dierickx und Nicola Willeke, künstlerisches Team der Musikkultur Rheinsberg, in der Remise am Schloss eine kostenlose Einführung in das Abenteuer.
Foto 1: 3viertel3 GmbH / Foto 2: Emilie Lauwers
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen